Konzept zum Erlernen des Schachspiels

 

Kinder lernen nicht so, wie wir Erwachsene es oft wünschen und erwarten. Kinder selbst probieren gerne Neues (neue Wege) aus, und lernen natürlich besonders durch Fehler, ohne zunächst die Fehler als solche zu erkennen.

Aus der Entwicklungspsychologie sind die Erkenntnisse zu entnehmen, das Denken und das Erlernen der Denkstrukturen kommt vor dem Spracherwerb. Dies gilt insbesondere für das Schachspiel, für das die menschliche Sprache keine Rolle spielt.

Dies muss auch ein Schachlehrer berücksichtigen. Die Kinder versuchen häufig die einfachste Strategie (direktes Erreichen). Sie wiederholen und machen mehrere Versuche, aber mit geänderten strategischen Wegen. Der Wechsel der Strategie ist ein klares Anzeichen für zielgerichtetes Problemlösungsverhalten.

(s. Oerter / Montada; Entwicklungspsychologie, Weinheim 1998)

 

Das Schachspiel selbst hat einen wesentlichen Motivations-Vorteil, es übt auf Kinder eine starke Faszination aus. Hier sehen und begreifen sie zunächst einmal das Schachbrett selbst, den regelmäßigen Wechsel der schwarz-weißen Felder. Ein Kind versucht, diese 64 Felder strukturmäßig zu erfassen, u.U. auch teilweise. Die dazugehörigen Figuren sind dabei die Mittel zum Zweck. Und: Mit den 2 x 32 Feldern lässt sich nicht nur Schach spielen, sondern denken wir an das „Dame”-Spiel.

Wann sollen Kinder anfangen Schach zu spielen? So früh wie möglich, also i.d.R. mit 4 - 6 Jahren.

(s. Jean Piaget, ein Schweizer Lernpsychologe in seinen Untersuchungen:
1) Die Entwicklung des Erkennens
    a) Das mathematische Denken
    b) Das physikalische Denken
2) Die Entwicklung des räumlichen Denkens beim Kinde)

 

Und hier setzt die Lern-Methode des Internationalen Meisters (IM) Alexander Bangiev an, der auf der Grundlage dieser Entwicklungs- und Lernpsychologie für das Erlernen des Schachspiels ein eigenes Lern- und Denkkonzept entwickelt hat.

Kinder lernen spielerisch, schrittweise und probieren aus. Beim Schach ist es das Erkennen von „Felder-Strukturen”. Es ist damit eine bestimmte „Denktechnik” oder „Denkmethode” gemeint. Ein Schach AG-Leiter muss für diese „Denkmethode” gar kein guter Schachspieler sein. Lehrer, Eltern, Jugendliche, die kein Schach spielen können, können aber mit dieser Methode Kindern das Schachspielen beibringen. Der Lernprozess wird für Kinder vereinfacht (didaktische Reduktion). IM Alexander Bangiev nennt dieses Erkennen von Strukturen auf dem Schachbrett die „Felderstrategie”: Es geht in erster Linie nicht um die Eroberung von Material (Figuren), sondern die Ziele sind die „Eroberung und Kontrolle von Feldern”.

Wie schreibt Bangiev auf seiner Homepage:

An Hand dieser neuen Methode sollen Sie richtiges Denken, genauer gesagt, richtiges Schach-Denken, kennen lernen. Sie sollen nicht mehr Eröffnungen auswendig lernen, keine Schachtheorie über das Mittelspiel, keine Endspielstudien büffeln; statt dessen sollen sie die Denktechnik selbst, d.h. die Technik des richtigen schachlichen Denkens begreifen und anwenden lernen. Denn diese Denktechnik ist in allen Phasen des Spiels dieselbe; hat man sie einmal begriffen, kann man sich ihrer immer und überall bedienen.

(Alexander Bangiev)

 

Die Schulschach-Akademie möchte mit dieser Denkmethode nicht nur neue Wege gehen, sondern das Schachlernen bei Kindern vereinfachen. IM Bangiev als methodisch-didaktischer Leiter der Schulschach-Akademie wird uns hier entscheidend beraten.

Schach ist persönlichkeitsbildend. Das Spiel mit König, Dame, Turm und Bauer regt räumliches und systematisches Denken ebenso an wie das Kombinations- und Konzentrationsvermögen. Im Primarbereich lernen die Schüler, den ersten Schritt vor dem zweiten zu tun. Sie müssen sich beim Schachspielen eigenverantwortlich festlegen und korrigieren. Dadurch müssen sie logisch denken, denn Fehler werden sofort bestraft. Der Verstand wird geschärft und vernetztes Denken gefördert.

 

Jochen Krehnke
Mitglied des Vorstandes
Schulschach-Akademie am Deister e.V.